Unter dem Begriff Zwingerhusten sind Infektionen des Respirationstraktes beim Hund zusammengefaßt. In der Vergangenheit wurde eine Vielzahl verschiedener Erreger dafür verantwortlich gemacht, heute ist dagegen allgemein anerkannt, dass nur zwei Erreger die hauptsächlichen Auslöser des Zwingerhustens sind: Das canine Parainfluenzavirus und das Bakterium Bordetella bronchiseptica. Wichtig ist aber zu betonen, dass der Zwingerhusten als eine sogenannte Faktorenkrankheit angesehen wird, bei der die infektiösen Komponenten allein keine Krankheit verursachen, sondern diese erst im Zusammenspiel mit anderen, nichtinfektiösen Faktoren entsteht. Diese Faktoren sind umweltbedingt, wie zum Beispiel die Umgebungstemperatur, Luftfeuchtigkeit, sowie Stressfaktoren, wie zum Beispiel einer Überbesetzung der Zwinger und ähnliche. Diese multifaktorielle Natur des Zwingerhustens drückt sich auch in der saisonalen Häufung der Krankheitsfälle im Herbst aus.
Der Zwingerhusten ist eine in aller Regel mild verlaufende Erkrankung, die mit Fieber und Husten einhergeht. In seltenen Fällen kann es zu schweren Krankheitsbildern kommen, die im späten Stadium auch nur noch schwer therapeutisch beeinflußt werden können. Die Übertragung zwischen den Hunden erfolgt durch direkten Kontakt, insbesondere durch Anhusten, da beide Erreger mit den Sekreten des Nasen-Rachenraums ausgeschieden werden. In Ausnahmefällen kann es auch zur Ansteckung durch gemeinsam benutzte Gerätschaften, z.B. Schutzhandschuhe oder auch Spielzeug, kommen.
Diese Fakten erklären, warum Einzeltiere und Familienhunde sehr selten an Zwingerhusten erkranken, während Hunde, die in großen Zwingern gehalten werden, und Hunde, die auf Ausstellungen geführt werden, häufiger betroffen sind. Dies ist auch im Rahmen der Diskussion um die Notwendigkeit einer Immunprophylaxe wichtig.
Das canine Parainfluenzavirus (CPiV) und das Bakterium Bordetella bronchiseptica verursachen beide eine Schädigung der Schleimhaut des Atmungstraktes. Eine Infektion anderer Organe findet
dabei nicht statt. Obwohl unkomplizierte Infektionen mit jedem der beiden Erreger nur eine milde Krankheit induzieren, unterscheiden sich beide Erreger doch in wesentlichen Eigenschaften: Die Bedeutung des CPIV als Pathogen liegt vor allem in der Vorschädigung der Schleimhäute, die eine Besiedlung mit anderen Keimen, insbesondere verschiedenen Bakterien, erleichtert (Abbildung 22). Nach Infektion kommt es nach etwa einer Woche zu Krankheitssymptomen wie trockenem Husten und nichteitrigem Nasenausfluss. Die sich entwickelnde Immunität führt zu einer vollständigen Eliminierung des Erregers. Die Virusausscheidung ist auf eine kurze Periode von etwa einer Woche beschränkt.
Schleimhautschädigung durch das canine Parainfluenzavirus in der Lunge eines Hundes. Die Wimperhärchen der Schleimhautzellen sind (ähnlich wie bei einem Raucher) zerstört.
A: gesunde Schleimhaut
B: geschädigte Schleimhaut
Eine andere Situation stellt sich bei der Infektion mit Bordetella bronchiseptica dar. Obwohl die klinischen Symptome einer reinen Bordetella bronchiseptica-Infektion der Infektion mit CPiV weitgehend ähnlich sind, führt die Bordetella bronchiseptica-Infektion aufgrund von bakteriellen Toxinen zu einer massiven Schädigung der Schleimhaut in den Bronchien, die häufig schwere Sekundärinfektionen nach sich zieht. Die Bakterien verbleiben trotz der sich entwickelnden Immunantwort über einen längeren Zeitraum in der Schleimhaut und die Krankheit ist daher bei wiederkehrenden krankheitsfördernden Faktoren reaktivierbar.
Die Diagnose wird aufgrund des klinischen Bildes gestellt. Eine Bestätigung durch den Erregernachweis ist zwar prinzipiell möglich, aber unüblich und wenig sinnvoll. Beide Erreger werden auch aus klinisch gesunden Hunden isoliert und das beobachtete Krankheitsbild durch unspezifische Sekundärinfektionen bestimmt.
Die Therapie der durch Sekundärinfektionen komplizierten Infektionen richtet sich nach der Art der beteiligten Keime. Eine antibiotische Behandlung ist jedoch in den meisten Fällen angezeigt. In schweren und therapieresistenten Fällen kann eine Verabreichung von Antibiotika in Form von Aerosolen sinnvoll sein.
Gegen beide Erreger resultiert eine Immunität im genesenen Hund, die allerdings von relativ kurzer Dauer sein soll, und eine jährliche Wiederholungsimpfung scheint deshalb angezeigt. In Deutschland sind zur Zeit nur Kombinationsvakzinen mit einer CPiV-Komponente zugelassen, die dem Hund injiziert werden. Eine Bordetella bronchiseptica-Lebendvakzine, die durch Einträufeln in die Nase (intranasal) verabreicht wird, ist ebenfalls verfügbar. Studien haben gezeigt, dass eine Vakzinierung mit CPiV in experimentellen Infektionen sowohl gegen die Folgen einer CPiV-Infektion, als auch die einer Infektion durch CPiV und Bordetella bronchiseptica schützen kann. Wie oben bereits ausgeführt, ist eine Impfung gegen Zwingerhusten für Hunde in gefährdeter Umgebung, wie Tierheimhunde, Hunde in großen Zuchtbetrieben und Tiere, die regelmäßig auf Ausstellungen geführt werden, unbedingt zu empfehlen. Eine Auffrischungsimpfung gegen Zwingerhusten zu besonderen Anlässen, z.B. wenn der Hund in eine Tierpension gebracht werden soll, oder vor Ausstellungen, ist ebenfalls sinnvoll.



Abbildung 19:
Tierarten nahezu ausnahmslos tödlich, und die Tiere verenden in der Regel innerhalb von 2 Wochen nach Auftreten der ersten klinischen Symptome. Chronische Formen und sogar seltene Fälle der klinischen Heilung sind jedoch beschrieben.

mittlerweile den alten Typ weltweit vollständig ver-drängt, so daß wir in aller Konsequenz davon ausgehen müssen, daß ein Parvovirus-infizierter Hund eine Infektionsquelle für eine ungeschützte Katze darstellt, und dem-entsprechend eine Parvovirus-infizierte Katze eine Gefahr für den Hund sein kann.
ndeln (Tonsillen). In einer Virämiephase gelangt es in den Lymphozyten zu den Organen und Geweben des Immunsystems, wie Lymphknoten, Milz, Thymus und Knochenmark. Hier kommt es zu einer starken Vermehrung mit einer Beeinträchtigung der Funktion dieser Organe, was sich in einer Schwächung des Immunsystems äußert. Gleichzeitig infiziert es auf dem Blutweg das Immungewebe des Dünndarms, die sogenannten Peyer’schen Platten in der Darmwand. Von hier aus gelangt das Virus zu den Lieberkühnschen Krypten, dem Ort, an denen die Darmschleimhaut (das Darmepithel) gebildet wird. In diesen Zellen vermehrt sich das Virus ebenfalls sehr stark und führt letztlich zu einem Verlust des Darmepithels und damit zu einer massiven Beeinträchtigung der Dünndarmfunktion (Abbildung 13). Dies führt zu einem hochgradigen Flüssigkeitsverlust und zu einem Übertritt von Darmbakterien in die Blutbahn. Der daraus resultierende Endotoxinschock ist letztlich meist die Todesursache bei der akuten Parvovirose.
Wildlebende Nagetiere stellen das Reservoir für verschiedene Leptospira-Serovare dar, die sowohl den Hund als auch den Menschen infizieren können.